Ich möchte das Original

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt wird es bestimmt kennen: Das letzte mal hab ich das Arzneimittel von einer anderen Firma bekommen! Zwar sagt der Apotheker, es sei das Gleiche, aber unwohl fühlen sich manche trotzdem. Was steckt dahinter?

Sogenannte "Rabattverträge" sind Veträge zwischen den Krankenkassen und den pharmazeutischen Herstellern. Normalerweise laufen diese Verträge zwei Jahre und sollen zum einem den Krankenkassen bestimmte Rabatte bieten und zum anderen den Herstellern exklusiven Vorzug bei der Abgabe gewähren. Letztendlich heißt es für uns als Apotheke: Egal welche Firma der Arzt verordnet, wir sind dazu verpflichtet die Firma abzugeben, die die Krankenkasse als Rabattvertrag hat. In der Regel sind das drei verschiedene Firmen, es können aber auch mehr oder weniger sein!

So - und wozu das ganze? Es soll die Qualität der Versorgung verbessern, aber auch die Wirtschaftlichkeit erhöhen. 

Okay, soweit so gut. Aber ist Firma A nun genauso gut wie Firma B
Der Wirkstoff und die Wirkstoffmenge dürfen wir nicht verändern. Das heißt, wir müssen bei der Abgabe immer schauen, dass diese identisch sind. Das macht das Kassenprogramm zum Glück automatisch. Aber was sich ändert sind die Hilfsstoffe, also die nicht wirksamen Bestandteile. So kann zum Besipiel in der einen Tablette Lactose enthalten sein und in der anderen nicht. Oder die Tablette bekommt eine andere Farbe. 
Außerdem dürfen die Firmen in der Regel 10 % vom Wirkstoffgehalt abweichen. Aus diesem Grund stehen manche "kritische" Wirkstoffe in einer Ausnahmeliste, bei denen die Firma nie ausgetauscht werden darf, wie z.B. bei Schilddrüsenhormonen. 

Also ist Firma A schon irgendwie das Gleiche wie Firma B, aber eben nicht dasselbe. Und ja, auch dass bei einer Person die eine Firma besser wirkt als die andere, kann vorkommen. Da spielen viele Faktoren rein: Zum einem die körpereigenen, also wir gut kommt der Körper mit der Tablette klar, aber auch die arzneimittelspezifischen. Zum Beispiel, wie gut sich die Tablette im Körper auflöst. 

Dazu muss man aber noch sagen, dass die Firmen dazu verpflichtet sind nachzuweisen, dass deren Produkt eine gute Wirksamkeit hat und mit einem eventuellen Originalpräparat vergleichbar ist. 

Und wer bestimmte Hilfsstoffe nicht verträgt kann nach Rücksprache mit dem Arzt das aut-idem-Kreuz für das jeweilige Arzneimittel setzen lassen. Damit entscheidet der Arzt, dass die verordnete Firma nicht gewechselt werden darf. 

Und bitte nehmt es nicht böse, wenn eine Apotheke eine Ausnahme macht und eure Firma austauscht und die andere Apotheke sich quer stellt. Wenn Lieferengpässe bestehen oder es wirklich pharmazeutische Bedenken gibt, wie beispielsweise eine Lactoseintoleranz, können wir die Firmen tauschen. Das sind aber Ausnahmen und müssen bei den Krankenkassen immer begründet werden! 

Durch Corona wurden auch einige Regelungen gelockert oder angepasst. So konnten wir in den Hochzeiten beliebig zwischen den Herstellern switchen, jetzt - nach Stand August 2023 - wurde wieder viel verschärft. 

Alles in allem kann man da schnell die Übersicht verlieren und ich frage quasi auch täglich meine Apothekerin, was ich nochmal darf und was nicht :)

Ich hoffe, ich konnte euch den komplizierten Ablauf ein wenig näher bringen. - 08/2023/1