Die Bonpflicht und der Datenschutz

Papier, Papier und noch mehr Papier. Die Einführung der Bonpflicht in Deutschland 2020 nervt viele Unternehmen und betrifft auch die Apotheke. Seid ehrlich, wann nehmt ihr einen Bon mit? Ich brauche den in der Regel nur, wenn ich doch nochmal was in einem anderen Laden kaufe, der die gleichen Produkte verkauft oder wenn ich etwas sehr teures, wie z.B. irgendwelche Elektrogeräte, kaufe, für die Garantie. Manche reichen ihren Bon natürlich auch noch bei der Steuer ein. Doch wer will schon den Bon, wenn man ein Nasenspray kauft?

 

Vor ein paar Monaten hatte ich eine etwas gestresste Dame bei mir in der Apo. Sie kam genau zwei Minuten nachdem wir geöffnet hatten rein und legte mir ihr Privatrezept auf den Handverkaufstisch. Verordnet war ein Impfstoff und ich merkte schon bei meinem ganzen Nachgefrage, ob sie direkt zum Arzt gehe etc., dass sie nicht wirklich gut gelaunt war. Schließlich kann man ja auch nicht immer gute Laune haben. Dann kam die Bonfrage:  

 

"Ich hätte gerne den Bon"

 

Klar, kein Problem, dank der Bonpflicht druckt dieser ja eh automatisch aus. Nachdem also die Bezahlung durch und der Bon gedruckt war, drückte ich ihr die Kühltüte mit dem Impfstoff und den Beleg in die Hand. 

Doch ihr Blick verriet mir, dass irgendetwas nicht stimmte. 

 

"Warum steht mein Name da nicht drauf?" 

 

"Oh, entschuldigen Sie bitte. Den Namen darf ich aus datenschutzrechtlichen Gründen leider nicht einfach drauf drucken. Ich ergänze ihn handschriftlich und stempel es selbstverständlich ab."

 

Gesagt, getan. Doch die Frau rollte mit den Augen. Meine Lösung war wohl die falsche und sie schlug einen etwas (sehr) genervten Unterton an:

 

"Toll, aber drucken Sie den Bon doch einfach nochmal mit meinem Namen aus. Wozu rede ich denn mit Ihnen? Sie haben einen Fehler gemacht, den Sie korrigieren müssen."

 

Oh je, dachte ich mir. Die Dame habe ich auf dem falschen Fuß erwischt- Doch da sie meine aller erste Kundin an diesem langen Tag war, versuchte ich durchzuatmen. Die hat nicht wegen dir schlechte Laune, betete ich vor mich selbst hin.

 

"Entschuldigen Sie, das geht leider nicht. Dafür schreibe ich es ja per Hand. Sowohl Krankenkasse als auch Steuer aktzeptieren das, wenn ich es noch stempel und abzeichne."


"Nein,  drucken Sie den jetzt aus!"

 

(Zähneknirschen)

 

"Hören Sie mal, ich sehe kein Grund warum Sie mir gegenüber so unfreundlich sind. Ich habe in Ihren Augen einen Fehler gemacht, okay. Aber ich habe Ihnen doch eine Lösung angeboten. Nochmal drucken geht nicht, also was kann ich jetzt noch machen?"

 

"Ich rede nicht umsonst mit den Menschen. Und wenn man mir nicht zuhört, ist das nicht meine Schuld. Ich find es nicht in Ordnung, wie Sie sich hier aufregen."

 

Und das war der Moment, wo sie mich entdgültig wütend gemacht hatte. Ich fuchtelte mit den Armen wild rum und meine Mimik fiel von mitleidig zu einem "Wie Bitte?!"-Blick.

 

"Ja, Sie sagten, Sie brauchen den Bon. Ich hab vergessen zu fragen, ob der Name drauf soll. Entschuldigung. Ich sagte Ihnen nun schon mehrmals nochmal drucken geht nicht. Ich hab es jetzt handschriftlich gemacht, wie ich es vorgeschlagen habe. Hier ist der Bon. Schönen Tag noch."

 

Ich machte auf dem Absatz kehrt und verzog mich in den Backoffice. Zugegeben war das kein professionelles Verhalten, aber diese Kundin würde eh nie wieder zu uns kommen. Und bevor ich ihr den Bon vor ihren Augen zerriss, nahm ich lieber ein Schmirrpapier was niemand vermissen würde. 

 

Ich hab daraus gelernt, dass ein- und ausatmen manchmal nicht reicht, um die Ruhe zu bewahren, sondern kurze Stille und sich für seinen Antworten Zeit nehmen, oftmals die bessere Lösung sind.

 

 

- 07/2023/1